Von der Kokosnuss zur Suppenschale

Dass in Südostasien die Kokospalme eine wirklich wertschöpfende Pflanze ist, die bis auf die letzte Faser verarbeitet wird, faszinierte mich schon immer. Blätter, Stämme und in unserem Fall, die Nussschalen, werden zu alltäglichen Gebrauchsgegenständen. Hierfür werden aber nur die alten, ca. 6 Wochen alten Nüsse genommen. Der Verholzungsprozess muss soweit fortgeschritten sein, dass sie hart genug sind für den tagtäglichen Gebrauch. (Im Gegensatz zur Ölpalme (Monokultur), ist die Kokospalme ein Zeichen für Bio-Diversität.) Bei meiner ersten Reise nach Java stieß ich zum ersten Mal auf die Zweckmäßigkeit der Schalen. Die Kokosschalenhälften werden zum Zerkleinern des Kokoszuckers verwendet, wenn dieser erkaltet und zu einem festen Karamellbonbon wird.

Abfüllung in Kokosnussschalen
Ein weiterer Verwendungszweck ist die Abfüllung in Kokosnussschalen (siehe Bild).

Wie gesagt, die Ausbildung der harten Schale erfolgt nach ca. 6 Wochen. Von Außen ist dieser Zustand nur anhand der Farbe des Nüsse (gelblich) zu erkennen. Jetzt sind sie reif für die Verarbeitung zu Koch-Kokosöl und auch für unsere Schalen. Für die Dorfbewohner ist das Sammeln der Nüsse ein gutes Zubrot und in manch einem Dorf gibt es regerechte Sammelstellen, an die sich dann stets eine Kokosöl-Manufaktur anschließt.  dsc_0787 dsc_0516 dsc_0522Ein ähnliches Bild präsentiert sich mir, als wir bei Herrn Mojo ankommen. Schalen in allen Varianten stapeln sich in allen erdenklichen Ecken. Es ist staubig und ein brandiger Geruch liegt in der Luft. In einer Ecke sitzt ein kleiner Mann am Boden, geduckt hinter einer riesigen Kreissäge. Er blickt nicht auf, sondern führt hochkonzentriert die Schale zur Fräse. Funken sprühen und kreischendend fährt das Blatt durch das Holz. Fast wie Butter, aber anhand des Funkenflugs und des Geruchs erahnt man, wie hart das Holz ist. dsc_0717Als er uns bemerkt, hüpft er freudig von seinem Schemel und strahlt uns an. Berni begrüßt ihn und beide fangen sogleich an, sich angeregt auf javanesisch zu unterhalten. Ich schaue mich um und muss leider wiederum feststellen, dass keiner seiner Mitarbeiter, ebensowenig wie er, auch nur den geringsten Arbeitsschutz trägt. Weder Atemschutz, geschweige denn Schuhe. Hier müssen wir also auch etwas ändern!  Ich krame in meiner Tasche und ziehe meine Zeichnungen hervor. Wir besprechen das Design der Schalen. Herr Mojo bringt sich angeregt in die Diskussion ein und macht seinerseits Vorschläge über Möglichkeiten. Ob ich es bunt mag, mit Verzierungen und Schnörkeln… 🙂 Ich versuche ihm zu erklären, ähnlich wie bereits bei Herrn Tikno, dass westeuropäischer Geschmack ein wenig anders ist. Sehr puristisch, reduziert und auf keinen Fall quietschig. dsc_0710Unabhängig davon, ist das Credo bei JANUR Natürlichkeit – Herr Mojo scheint enttäuscht. Und er hätte sich so gerne ausgetobt… Wie mir Berni erklärt, empfindet er die Schalen naturbelassen als langweilig und auch nicht schön. Es fehle ihm etwas. Wie unterschiedlich die Geschmäcker doch sind. Ich dagegen bin ganz begeistert, was man aus einer behaarten kleinen braunen Nuss alles machen kann. Ich lasse mir die verschiedenen Aufsätze zeigen und die Techniken, die man auf der Oberfläche erzielen kann. Wie wollen wir es außen, wie innen haben: Poliert, mit Struktur oder einfach nur matt? So puristisch wie möglich. Bitte nur die Kokoshärchen entfernen und ansonsten nur polieren. dsc_0712 Am spannendsten ist der Moment, wenn unter der behaarten Oberfläche die eigentliche Formation der Schale zum Vorschein kommt. Wie der individuelle Abdruck eines Fingers, gleicht keine Schale der anderen. Gefleckt, geädert, mal heller, mal dunkler. Genau dieses Spiel der Natur gilt es wiederzugeben. dsc_0117

Und wie ihr sehen könnt, sind die Schalen nicht nur sehr dekorativ sondern auch sehr zweckmäßig. Ich nehme sie nicht nur gerne als Suppen oder Müslischalen, sondern stelle sie zur Deko mit ein paar Keksen auf den Tisch. Als Aufbewahrungsschale für Deinen Schmuck sind sie auch super! Und was ich bis heute faszinierend finde: Sogar die unzähigen Spülmaschinengänge haben meine Schalen bisher unbeschadtet überstanden. Lass´ Dich gerne inspirieren! dsc_0144

 

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