Unsere wilden Nüsse – wo kommen eigentlich die Erdnüsse für den Ready-Mix her?

Heute machen wir uns auf den Weg in – wiederum – unwegsame Gefilde. Dort, wo unsere feinen Erdnüsse für den Erdnuss-Ready-Mix herkommen, verirren sich meist nicht so viele Menschen hin. Aber ich freue mich sehr auf unsere Entdeckungsfahrt! Hr. Raji hat uns zu sich ins Dorf eingeladen. Der Zeitpunkt ist günstig: Die Erdnussernte ist in vollem Gang und ich möchte mir einen Eindruck von den Feldern und der diesjährigen Qualität machen.

Die Fahrt aus Yogyakarta raus in die Höhenlagen im Südosten der Provinz ist ein Genuss. Die Landschaft wird noch einmal abwechslungsreicher, als ich es aus den vergangenen Tagen kenne. Der tonhaltige Boden wird von Erdnüssen und Cashews geliebt! Wir schrauben uns auf dem Roller die Berge hoch, vorbei an den überladenen LKWs und PKWs, die sich mühsam die ausgefahrene Schlaglochstraße hochquälen. Ich genieße die herrliche Fernsicht und erfreue mich an den kleinen romantischen Garküchen, die sich am Straßenrand aneinanderreihen. Nach ca. 2 Stunden über Stock und Stein passieren wir das letzte Stück Piste, was uns zu unserem kleinen versteckten Erdnuss-Dorf bringt. Hr. Raji und 2 seiner Farmer erwarten uns freudig. Das vertraute Bild liegt vor mir – die Dorfstraße ist gesäumt von Millionen von Erdnüssen, die die Frauen vorsichtig wenden und für die kommenden 2 Wochen auf Planen liegend trocknen.

Erdnüsse

Erdnüsse

Erdnüsse

Die Sonne brennt gnandenlos und ich verkrümel mich schattensuchend in einen der Produktionsräume, wo zwei Arbeiterinnen die bereits entkernten Erdnüsse nach Qualitäten sortieren und auf unterschiedliche Säcke verteilen. Neugierig setze ich mich dazu und wir unterhalten uns mit meinen rudimentärem Bahasa über Qualität und Geschmack der aktuellen Ernte. In den Straßen staut sich die Hitze. Wir retten uns unter das offene Dach des Versammlungsraums der Kooperation, wo sich normalerweise die Farmer für Ihre Sitzungen treffen. Friedlich und fast schon idyllisch reihen sich die kleinen pastellfarbenen javanesischen Häuser aneinander. Vor jedem Haus sind riesige Planen mit Erdnüssen ausgebreitet. Nach einem obligatorischen Begrüßungs-Tee schwingen wir uns mit Hr. Raji auf die Mopeds und düsen aus dem Dorf über die Felder – nach kurzer Zeit sind wir auch schon mitten im dichten Grün. Die Erdnusspflanze ist mir ja durchaus bekannt, aber hier wimmelt es nur so von anderer Botanik. Hr. Raji erklärt uns die traditionelle Weise, wie sie hier seit Generationen auf nachhaltige Weise, Erdnüsse ernten, ohne den Boden exzessiv auszulaugen. Parallel zur Erdnussstaude werden Mais und Kassava angebaut. Auf die Weise ist Mensch, Tier und Erde gleichermaßen gedient, denn sowohl der Mais, als auch die Kasavablätter werden gerne gegessen/gefressen.

Erdnüsse

Beherzt greift er eine der Pflanze und zeigt uns ein ganzes Büschel voller Erdnüsse. Ich entpelle eine der erdigen Geschöpfe – das Fruchtfleisch ist so mild uns butterzart! Genau so muss es sein. Und wie lange dauert es nun, bis die Pflanze tragfähig ist? Das geht, im Gegensatz zu Cashews recht schnell. Nach 90 Tagen kann bereits geerntet werden. Daher liegt der Schwerpunkt auch auf Erdnüssen und weniger auf Cashews. Nachdem die Regierung sämtliche Subventionen eingestellt hat, leben die Farmer hier wirklich von der Hand in den Mund. Aber das ändert sich ja gerade. 🙂  Düngung und Pestizide sind ein heikles Thema, aber da brauche ich hier nichts zu befürchten: Sobald die erste Erntephase im Hochsommer vorüber ist, kommt der Kuhdung zum Einsatz. Künstliche Dünger? “Nein, um Gottes Willen – das brauchen wir hier nicht und außerdem ist es viel zu teuer. Wir haben doch unsere Kühe.” Er deutet mit dem Kopf in Richtung Viehunterstand, der sich hinter den Lagerhäuschen befindet. Eine kleine Bäuerin kommt des Weges und leert das Viehfutter in den Trog. Genussvolles Schmatzen untermahlt unsere Unterhaltung, während wir uns weiter über Erntezyklen und die aktuellen Mengen unterhalten.

Erdnüsse

Erdnüsse

Um beiden näher zu bringen, was auf der anderen Seite der Welt mit ihren Nüssen geschieht, drücke ich Ihnen kurzerhand den neuen Erdnuss-Ready-Mix, bestehend aus ihren Nüssen, Kokosblütenzucker, Ingwer, Zitronengras und Chili in die Hand. Verwundert und neugierig öffnen beide die Dose, schnüffeln, lächeln und probieren auch gleich! Ein Lächeln macht sich auf Rajis Gesicht breit: “Enak” (lecker), ruft er. Für mich ist es wichtig, ihnen auf diese Weise eine Wertschätzung und Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit zu vermitteln. Sicherheit über feste Jahreskontingente und Wertschätzung sind die zwei wesentlichen Ziele, die ich hier, wie auch bei allen anderen Bauern verfolge. Wir kehren zurück zum Versammlungshaus und verkosten weiter die aktuellen Ernte und vergleichen sie mit den eingelagerten Erdnüssen. Erstaunlich, wie gut der Geschmack bleibt, solange die feine rosafarbene Außenhaut nicht zerstört wird. Sehr mild und leicht nach Erbsen schmecken sie im rohen Zustand. So frisch und lecker!

Erdnüsse

Wir besprechen die Abnahmemengen und planen die kommende Verschiffung. Ich freue mich auf die kommenden Monate, wenn wir uns nicht nur an den Erdnüssen, sondern auch an den Cashews erfreuen dürfen. Sehen wir uns also im August! Dann stehe ich in den Startlöchern für die Cashewernte. Beseelt und zuversichtlich, einen weiteren neuen Partner gefunden zu haben, rollen und holpern wir die Berge zurück nach Yogya.

ErdnüsseHerr Raji, Bernard & me.

Wer gleich Lust hat, diesen leckeren Mix auszuprobieren – et voilà. Und hier unsere Rezepte.

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